Bühne, Dies & Das, Literatur
Magische Märchen in Miniformat
Wir alle kennen die klassischen Grimm-Märchen, von Hänsel und Gretel zu den Sieben Geisslein bis hin Rumpelstilzchen. Ob wir die Geschichten selbst nacherzählen, sie in einem Hörspiel hören oder gar eine Verfilmung von diesen Märchen sehen, es wird immer Elemente geben, die plötzlich ganz anders als das Original sind. So auch in den rosa-bösen Märchen des Minitheaters Hannibal.
In den rosa-bösen Märchen des Minitheaters Hannibal geht es nicht darum die Geschichten zu verharmlosen oder aufzuweichen, sondern eine Lebendigkeit in die Märchen zu bringen, welche kleine und grosse Kinder in den Bann zieht und mitreisst. Die Märchen des Minitheaters Hannibal sind schnell, actiongeladen und vor allem unterhaltsam. Durch die Interaktion mit dem Publikum und einem gewissen Improvisationsspielraum entsteht so ein temperamentvolles und greifbares Theater, welches sich einprägt und Erinnerungen mit der ganzen Familie schafft.
Was ist das Minitheater Hannibal?
Eigentlich müsste es heissen, wer ist das Minitheater Hannibal. Es handelt sich dabei nämlich um das Ehepaar Andrea Fischer Schulthess und Adrian Schulthess. Andrea ist eigentlich studierte Biologin mit Schwerpunkt Zoologie, hat aber auch eine journalistische Ausbildung bei Ringier gemacht und war lange am Empfang des Schauspielhauses tätig. 2025 erschien ihr Roman «Noch fünf Tage» im Pendragon Verlag. Adrian beschloss seine Ausbildung an der Dimitri-Schule. Er war später auch als Velo-Mech und dann als Arbeitsagoge bei der Stadt Zürich tätig. Schliesslich landeten beide vor sieben Jahren am Millers Theater – Andrea als künstlerische Co-Leiterin, Adrian zunächst als Barchef und später im Theaterbüro – und konnten nebenher ihr Minitheater Hannibal weiterverfolgen.
Ein Minitheater ist etwas, was man eigentlich in einem Koffer transportieren kann. Also, alle Requisiten und Kostüme sollten leicht zu transportieren sein. Diese Idee stammt eigentlich aus dem Bereich des Figurenspiels, welches auch die Inspiration für das Minitheater Hannibal war. Andrea Fischer Schulthess machte nämlich ihr CAS unter Figurenspielerin Margrit Gysin und zeigte auch dort schon eine Affinität zu fabelhaften Geschichten, denn ihre Abschlussarbeit, «Der Doktor mit den vielen Tieren», basierte auf Hugh Loftings «Doktor Dolittle».
Der Name Hannibal stammt von einem alten Bus, mit dem das Paar einst auf einer Tanztournee von Adrian in den Alpen unterwegs war. Beide hofften immer, dass der Bus es doch bitte auf den Berg schaffen möge. So wurde er kurzum Hannibal getauft. Dieser Name blieb dann auch haften für das gemeinsame Projekt des Minitheaters Hannibal.
Es ist also ein kleines Theater, welches Grosses vorhat, nämlich Jahrhunderte alte Märchen einer neuen Generation näher zu bringen und sie gleichzeitig für Theater zu begeistern. Die Idee dazu entstand, als die inzwischen erwachsenen Kinder von Adrian und Andrea selbst noch klein waren. Als Familie besuchten sie vor ungefähr 15 Jahren ein Stück, welches alles andere als anregend war. Daraufhin fanden die beiden: das geht auch besser und vor allem geht das auch für grössere Kinder. So fingen sie erst einmal an, Märchen in Schulen zu erzählen. Daraus wuchs dann nach und nach das Minitheater heran, welches zunächst am Stadelhofen und am Theater Neumarkt performte. Inzwischen treten Adrian und Andrea aber auch an Festivals auf und sind viel auf Tournee. Ganz nebenher haben sie auch einen festen Platz am Millers Theater Zürich – Andrea als künstlerische Co-Leitung, Adrian im Betriebsbüro. Inzwischen sind die beiden bereits sieben Jahre mit dem Millers verbunden.
Rosa-böse Märchen
Die Märchen des Minitheaters Hannibal sollen vor allem eines, «etwas hergeben», wie Andrea Fischer Schulthess es beschreibt. Sie erklärt, «egal wie viele Grimm-Märchen oder auch sonstige Märchen man liest, am Schluss macht es Sinn, dass es immer wieder die gleichen Märchen sind, die man erzählt, weil das die sind mit den richtig guten Stories». So entstand dann auch ein festes Repertoire, was dennoch offen ist für neue Geschichten. Die Auswahl der Märchen ergibt sich dabei einfach durch das Erzählen selbst. Bei der rosa-bösen Geschichtsentwicklung gibt es dabei zwei Ebenen. Einerseits die Dynamik mit dem Publikum, durch welches sich die Geschichte selbst verändern kann, andererseits die Dynamik zwischen Andrea und Adrian auf der Bühne, denn die beiden machen dort sehr gerne Quatsch. Aus diesem Quatsch entsteht dann oft etwas, was eben mehr ist – ein neuer Aspekt, eine Idee, eine ganz eigene Erzählung.
So verändern sich die Märchen nach und nach und die Bauerntochter bei Rumpelstilzchen brennt mit dem Gold durch, statt den König zu heiraten. Einige Elemente sollen jedoch bleiben. Andrea erklärt, dass die Märchen bewusst nicht verharmlost werden sollen, denn «Kinder haben es gerne, wenn es klar ist», dass der Bösewicht eben nicht mehr wieder kommen kann. Sie können Grausamkeiten in Märchen oft viel besser verarbeiten, als wir Erwachsenen ihnen zutrauen. Ansonsten ist aber jede künstlerische Freiheit an den Märchen erlaubt, denn am Ende sind die beiden einfach nur «zwei Kindsköpfe, die Spass haben an allem möglichen Blödsinn». Zwar sind die Märchen etwas böse, aber auch nicht wirklich schlimm – rosa-böse eben.
Das macht das Märchentheater von Andrea und Adrian auch so besonders. Man merkt, dass die beiden durch und durch Bühnenmenschen sind und Freude daran haben, sich mit dem Publikum zu verbinden und auf die Kinder zu reagieren. Dadurch ist es schnell, ja, und durchaus rosa-böse, aber vor allem, so Andrea, muss es «immer Magie drin haben». Diese Magie spürt man wahrhaftig in den rosa-bösen Märchen des Minitheaters Hannibal, welches am 25. Januar 2026 um 11:00 Uhr im Central Uster als Teil der KultUster(li) -Reihe auftritt.
Autor
Kulturblog Uster
Kontakt
Jacqueline Surer
info@kultusterli.ch
076 711 96 65
Kategorie
- Bühne
- Dies & Das
- Literatur
Publiziert am
Webcode
www.uster-agenda.ch/e9WvXe