Bühne, Dies & Das, Musik

Schwedische Klangwelten im Musikcontainer

Nordische Folkmusik trifft auf Jazz und gelebte Begegnung: Marianne Racine und der Jazzclub Uster laden zu einem warmen, improvisationsreichen Konzertabend ein.

Text: Gisèle Münzner

Interview mit Marianne Racine – schwedische Jazzsängerin – und Bernhard Schoch – Jazzclub Uster

Nordische Melancholie, jazzige Improvisation und eine warme, beinahe familiäre Atmosphäre: Mit der «Schwedestubete» lädt der Jazzclub Uster am 15. Mai 2026 zu einem besonderen Konzertabend in den Musikcontainer ein. Im Zentrum steht die schwedische Jazzsängerin Marianne Racine, die gemeinsam mit ihren Musikerkollegen eine musikalische Brücke zwischen Schweden und der Schweiz schlägt.

Ein Verein, der Jazz lebendig hält

Der Jazzclub Uster ist seit vielen Jahren eine feste Grösse in der regionalen Kulturlandschaft. Mit acht bis zehn Konzerten pro Saison bringt der Verein regelmässig namhafte Jazzbands und spannende Projekte nach Uster. Darüber hinaus engagiert sich der Club gemeinsam mit dem SwissJazzorama für den International Jazz Day am 30. April und trägt so aktiv zur Förderung der Jazzszene bei.

Hinter den Konzerten steht ein engagiertes Team, das den Verein mit viel Herzblut trägt. Neben dem Vorstand sorgen zahlreiche Helfer:innen für den Barbetrieb, die Kasse, die Verpflegung sowie die Betreuung der Musiker:innen. Viele dieser Aufgaben werden ehrenamtlich übernommen – ein Engagement, das für das Fortbestehen des kulturellen Angebots unerlässlich ist.

„Wir verstehen uns als Kulturinstitution, die mit regelmässigen Konzerten von namhaften Jazzbands und Solist:innen das reichhaltige Ustermer Kulturangebot unterstützt und fördert“, erklärt Bernhard Schoch, Mitglied der Programmkommission und freiwilliger Helfer des Jazzclubs.

Einige Teammitglieder sind selbst Musiker:innen, darunter auch professionelle Jazzmusiker an Posaune und Trompete. Zum Jazzclub fanden viele von ihnen über eigene Auftritte im Musikcontainer. „Als Neu-Ustermer hat uns die Atmosphäre im Club und die Idee des Jazzclubs sehr gut gefallen, und wir haben uns spontan zur Mithilfe entschieden“, so Bernhard Schoch.

Der Musikcontainer als kultureller Begegnungsort

Der Musikcontainer bildet das Herzstück der Konzertreihe. Die ehemalige Industriebaute wurde von der Stadt Uster gezielt für kulturelle Veranstaltungen umgebaut und wird heute von verschiedenen Vereinen rege genutzt. Dank der gelungenen Bühnenakustik und der hochwertigen Verstärkeranlage hat sich der Container zu einem begehrten Musiklokal entwickelt.

Besonders geschätzt wird die intime Atmosphäre, die eine unmittelbare Nähe zwischen Publikum und Künstler:innen ermöglicht. Hinter den Kulissen sorgt das Team dafür, dass sich die Musiker:innen rundum wohlfühlen – mit sorgfältigen Soundchecks, einem einladenden Backstage-Bereich und einem selbstgekochten Essen, das gemeinsam mit den Helfer:innen eingenommen wird.

Marianne Racine und die Entstehung der «Schwedestubete»

Mit der «Schwedestubete» rückt der Jazzclub Uster eine Musikerin in den Mittelpunkt, die kulturelle Einflüsse auf besondere Weise verbindet. Marianne Racine, deren Wurzeln in Schweden liegen, bringt gemeinsam mit dem schwedischen Geiger Pär Näsbom und dem Schweizer Pianisten Lukas Gernet Folkmusik aus dem hohen Norden auf die Bühne.

„Musik aus dem hohen Norden, aus meiner Heimat Schweden“, beschreibt Marianne Racine das Programm. Herzschmerzlieder, groovige Tänze, Eigenkompositionen und sogar ein „Schwedenblues“ verschmelzen zu einem vielseitigen musikalischen Erlebnis. Ergänzt werden die Stücke durch Erzählungen über schwedische Gepflogenheiten und Traditionen, die dem Publikum einen tieferen Zugang zu den Songtexten ermöglichen.

Die Idee zur «Schwedestubete» entstand während Marianne Racines Zeit als Artist in Residence in der Lebewohlfabrik in Zürich im Jahr 2019. Dort lernte sie den schwedischen Geiger Pär Näsbom kennen, was den Grundstein für eine langjährige musikalische Zusammenarbeit legte.

Klangwelten zwischen Schweden und der Schweiz

Die Besetzung aus Gesang, Geige und Klavier schafft eine besondere Klangfarbe. Typisch nordische Elemente zeigen sich in melancholischen Mollmelodien, ungewöhnlichen Intervallen sowie in der charakteristischen Verzierung von Stimme und Geige. Marianne Racine singt dabei nicht nur auf Schwedisch, sondern auch auf Meänkieli, einem finnisch geprägten Dialekt aus Nordschweden. Pianist Lukas Gernet ergänzt das Programm mit Innerschweizer Folkimpulsen und jazzigen Harmonien.

Der Begriff «Stubete» steht sinnbildlich für die Atmosphäre des Abends. Statt der formellen Distanz eines klassischen Konzerts entsteht eine warme, entspannte Stimmung, die zum Mitfühlen und Mitwippen einlädt. Fingerschnipsen oder rhythmisches Mitklopfen sind dabei ausdrücklich willkommen. Obwohl eine Setliste den Abend strukturiert, bleibt viel Raum für Improvisation – ganz im Sinne des Jazz. „Wir sind alle drei offen und geben einander Platz und Unterstützung. Das spüren die Zuhörer:innen“, erklärt Marianne Racine.

Interaktion, Atmosphäre und Emotionen

Der Jazzclub Uster wurde für sein kulturelles Engagement ausgezeichnet und hat sich als bedeutende Kulturinstitution der Region etabliert. Für die Zukunft wünscht sich das Team, weiterhin hochstehende Bands nach Uster bringen zu können und ein interessiertes Publikum für den Jazz zu begeistern.

In drei Worten beschreibt Bernhard Schoch den Verein treffend: Interaktion, Atmosphäre, Emotionen – Werte, die auch den kommenden Konzertabend prägen werden.

Auf die Frage nach dem persönlich schönsten Moment eines Konzertabends fällt seine Antwort ebenso schlicht wie berührend aus: „Die ersten Klänge zu Beginn jedes Konzerts und die spontane Reaktion des Publikums darauf – sowie der Schlussapplaus nach einem gelungenen Auftritt.“

Ein Abend, der verbindet

Die «Schwedestubete» verspricht einen Abend, der musikalische Traditionen, Improvisation und menschliche Begegnung miteinander vereint. Sie steht exemplarisch für das, was den Jazzclub Uster ausmacht: ein Ort, an dem Musik nicht nur gehört, sondern gemeinsam erlebt wird.

Die «Schwedestubete» mit Marianne Racine ist am 15. Mai 2026 im Musikcontainer Uster zu erleben. Details zum Konzert gibt es im Veranstaltungskalender der Usteragenda sowie auf der Website des Jazzclubs Uster www.jazzclubuster.ch

Autor

Kulturblog Uster

Kontakt

Jazzclub Uster
Asylstrasse 10
8610 Uster
info@jazzclubuster.ch

Kategorie

  • Bühne
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  • Musik

Publiziert am

06.05.2026

Webcode

www.uster-agenda.ch/jSGXuX